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KP Brehmer. Korrektur der Nationalfarben

Kuratorenführung mit Dr. Petra Roettig
20. Juni 2019 (19.00 Uhr - 20.30 Uhr)

Schwarz, rot, gold – die Nationalfarben der Bundesrepublik waren den politisierten Künstler der 1970er-Jahre ein Dorn im Auge. KP Brehmer (1938–1997) hat sie gemessen an der Vermögensverteilung „korrigiert“: Ein schmaler Streifen Schwarz für den Mittelstand, ein noch schmalerer Streifen Rot für die restlichen Haushalte – und sehr viel Gold für das Großkapital. Sie wehte 1972 auf der legendären documenta 5 vom Friedericianum.

Der in Berlin geborene Künstler gilt mit Sigmar Polke, Gerhard Richter und Konrad Lueg als deutsche Variante der Pop Art. Mitte der 1960er-Jahre gründeten sie den „Kapitalistischen Realismus“ – eine ironische Replik auf den „Sozialistischen Realismus“ des Ostblocks, aber auch eine Reaktion auf die abstrakte Kunst der Nachkriegszeit.

Mit der Pop Art verband die junge Künstlergeneration zwar die poppig-plakative, bunte Bildsprache; doch war sie ausgesprochen politisch, und Brehmer ganz besonders. Der gelernte Reproduktionstechniker und studierte Graphiker wusste, wie das geht. Infographiken – Statistiken, Schautafeln, Diagramme und Landkarten –, die bis heute als Veranschaulichung objektiver Gegebenheiten gelten, nutzte er, um unliebsame Wahrheiten zu zeigen: In seinen „Farbgeographien“ visualisierte er etwa das „Investitionsklima“ in Südamerika (1971) – oder eben die Vermögensverhältnisse der Bundesrepublik.

Mit viel Witz und Hintersinn legte er die Manipulationsmöglichkeiten der Infographiken offen und raubte ihnen damit den Anschein wissenschaftlicher Objektivität. Auch andere Bilder aus Massenmedien und Werbung griff er auf und an und zeigte die Absurdität ihrer Appelle. Getragen von einem aufklärerischen Impuls, wollte er möglichst viele Menschen erreichen, ein Impuls, der auch seinem Wirken an der Hamburger HFBK, wo er seit 1971 eine Professor war, eine besondere Strahlkraft verlieh.

Kaum eines seiner Themen ist überholt, und im Zeitalter von Bildmanipulationen und „fake news“ sind seine künstlerischen Verfahren aktueller denn je. Im vergangenen Jahr wäre KP Brehmer 80 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass lädt die Retrospektive in der Hamburger Kunsthalle – erarbeitet in Kooperation mit dem Neuen Museum Nürnberg,
dem Gemeentemuseum Den Haag und dem Kunstzentrum Arter in Istanbul – zur Wiederentdeckung seines Werkes ein und positioniert es dort, wo es seinem Rang nach hingehört: ins Zentrum der Debatte über das politische Vermögen der Kunst.

KURATORENFÜHRUNG KP Brehmer. Korrektur der Nationalfarben
LEITUNG Dr. Petra Roettig
TERMINE Donnerstag, 20. Juni 2019, 19 bis 20.30 Uhr
KOSTENBEITRAG 12 Euro, Studierende bis 30 Jahre 9 Euro, Zuzahlung für Nichtmitglieder 3 Euro (zzgl. Eintritt)
Anmeldung erforderlich

Dr. Petra Roettig
Dr. Petra Roettig
Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Volkskunde in Freiburg, Hamburg und London. Seit 1997 an der Hamburger Kunsthalle; seit 2007 Leitung der Galerie der Gegenwart für Graphik und Photographie.