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Das Ich und die Maske: Identität und Rollenspiel in Kunst und Literatur der 1920er-Jahre

Seminar mit Dr. Gabriele Himmelmann
17. November 2018 (11.00 Uhr - 15.00 Uhr)
ausgebucht
Wir bieten dieses Seminar alternativ auch am 15.11.2018 an.

„Die Zivilisation, deren Bekanntschaft wir in den zwanziger Jahren machten, schien ohne Balance, ohne Ziel, ohne Lebenswillen, reif zum Ruin, bereit zum Untergang“: Mit diesen Worten beschrieb Klaus Mann in seinem Lebensbericht „Der Wendepunkt“ das verunsicherte Lebensgefühl in der Weimarer Republik. Ein allgemein gültiges Wertesystem war verloren gegangen; die Zeitgenossen erlebten sich im Spannungsfeld von Rausch und Not, von Ekstase und Verzweiflung. Alfred Döblin spricht zutreffend von einer „Republik ohne Gebrauchsanweisung“.

Diese Weltwahrnehmung hatte Konsequenzen insbesondere für das Menschenbild. Die Kunst der Neuen Sachlichkeit orientierte sich malerisch an den Alten Meistern, schuf aber mit den Mitteln einer nobilitierten Malweise Werke, die die Idee der beseelten Gegenwart im Porträt zurückwiesen. An die Stelle des Individuums traten Typen, die Wege ins Zentrum einer Person wurden verstellt, es regierten die kühlen, undurchdringlichen Oberflächen. Das Ich verbarg sich hinter den Strategien einer zeitnotwendigen Inszenierung, hinter dem Habitus der Sachlichkeit. Die öffentliche Präsentation verlangte das Spiel mit der Maske.

Bei einem ausführlichen Rundgang betrachten wir Werke von Otto Dix, Christian Schad, Franz Radziwill, George Grosz, Elfriede Lohse-Wächtler, Oskar Schlemmer und anderen. Wir erschließen uns die bildlichen Strategien und die anschauliche Realisation eines Lebensgefühls. Flankiert wird dies auch durch einige ausgewählte literarische Texte, die mit ihren Mitteln die gleichermaßen drängende wie grundsätzliche Frage nach dem Ich, nach dem Verhältnis von Identität und Rollenspiel thematisieren.

Das Seminar findet vor den Originalen in der Sammlung statt.

LEITUNG Dr. Gabriele Himmelmann
TERMIN Samstag, 17. November 2018, 11 bis 15 Uhr
KOSTENBEITRAG 26 Euro, Zuzahlung für Nichtmitglieder 5 Euro (zzgl. Eintritt)
Anmeldung erforderlich

Dr. Gabriele Himmelmann
Dr. Gabriele Himmelmann
Studium der Kunstgeschichte und Literaturwissenschaften; seit Jahren freiberuflich in der Erwachsenenbildung tätig, u. a. regelmäßig für die Freunde der Kunsthalle. Außerdem Lehrbeauftragte für Kunstgeschichte am Institute of Design, der Arbeitsstelle für wissenschaftliche Weiterbildung der Universität Hamburg sowie an der TU Hamburg-Harburg.