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Die Pracht japanischer Gärten am Beispiel der alten Kaiserstadt Kyōto

Seminar mit Birgit Thiemann und Prof. Dr. Michael Scholz-Hänsel
13. April 2019 (14.00 Uhr - 17.00 Uhr)
ausgebucht

Fünfzehn sorgfältig angeordnete Basaltbrocken, jeweils umrahmt von einem schmalen Streifen Moos, scheinbar verloren in einem Meer aus weißen, geharkten Kieselsteinen. Keine Pflanzen, kein Wasser; insgesamt eine Fläche von nur 10 mal 25 Metern, umgeben von einer mannshohen Mauer – und doch endloser Anlass zur Kontemplation. Entworfen wurde der mysteriöse Steingarten der Tempelanlage von Ryōan-ji gegen Ende des 15. Jahrhunderts.Nach dem Zweiten Weltkrieg besuchten moderne Architekten wie Walter Gropius und Künstler wie John Cage den berühmtesten Zen-Garten Japans und legten damit die Grundlage für die wachsende Faszination des Westens für japanische Garten- und Landschaftskonzepte.

Garten und Tempel von Ryōan-ji gehören zu den 17 Anlagen des historischen Kyōto – buddhistische Tempel, Shintō-Schreine und Gärten –, die seit 1994 als Nationalschätze Japans auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes stehen. Bis zum Umzug des Herrscherhauses nach Tokyo 1868 war Kyōto über 1000 Jahre lang Kaiserstadt und gilt als Wiege der japanischen Kultur. Unser Seminar versucht, im Vergleich mit der europäischen Gartenkunst die Besonderheiten ausgewählter japanischer Gärten wie Kinkaku-ji (Goldtempel) und Ginkaku-ji (Silbertempel) zu bestimmen. Aber auch moderne Exempel wie Tōfuku-ji kommen zur Sprache. Es sind vor allem die Elemente Wasser – oftmals durch Kies symbolisiert – und Felsen sowie Moos, beschnittene Kiefern und farbenprächtige Ahornbäume, die die Anlagen prägen. Im Seminar werden Grundtypen des japanischen Gartens wie Teich- oder Trockenlandschaftsgarten behandelt, aber auch kulturelle Kontexte wie das mit Zen in Verbindung stehende Konzept der Leere vorgestellt.

Lektüretipp: Jochen Wiede, Fernöstliche Gartenkultur. Geheimnisvolle Gärten Chinas und Japans, Marix Verlag 2018, 28 Euro

LEITUNG Prof. Dr. Michael Scholz-Hänsel, Birgit Thiemann, M. A.
TERMIN Samstag, 13. April 2019, 14 bis 17 Uhr
KOSTENBEITRAG 24 Euro, Zuzahlung für Nichtmitglieder 3 Euro (zzgl. Eintritt)
Anmeldung erforderlich

Prof. Dr.  Michael Scholz-Hänsel
Prof. Dr. Michael Scholz-Hänsel
Studium der Kunstgeschichte, Hispanistik, Geschichte und Theaterwissenschaft in Berlin und Hamburg. Seit 2011 Professor an der Universität Leipzig. Zahlreiche Studienreisen nach Spanien und Italien, u. a. auf den Spuren Leonardos sowie mit Seume nach Syrakus.
 Birgit Thiemann, M. A.
Birgit Thiemann, M. A.
Studium der Kunstgeschichte, Graphik, Malerei und Medienwissenschaft in Marburg und Hamburg. Veröffentlichungen zu Spanienklischees um 1900 und zu zeitgenössischen Künstlerinnen.