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Das Material der Kunst. Teil III: Wachs – Zwischen Leben und Tod

Seminar mit Florian Britsch und Dr. Alice Gudera
30. Oktober 2019 (11.00 Uhr - 15.00 Uhr)
ausgebucht
Wir bieten dieses Seminar alternativ auch am 2.10., 12.11.2019 und 11.1.2020 an.

Als Edgar Degas seine „Kleine Tänzerin von 14 Jahren“ 1881 der Öffentlichkeit präsentierte, war die Aufregung groß: Aus Wachs gefertigt und nahezu lebensgroß, ausgestattet mit echtem Haar und real bekleidet, ließ die Figur jene Idealisierung vermissen, die man von einer Marmor- oder Bronzeplastik gewohnt war. Dementsprechend erregten sich die Kritiker über die „schreckliche Wirklichkeit“, die ihnen gegenüberstand: Es ginge ja noch an, wenn Degas sie „in ein zoologisches, anthropologisches oder psychologisches Museum gestellt hätte – aber in ein Kunstmuseum!“

Gerade das Vermögen des Materials, Haut und Fleisch täuschend echt zu imitieren, brachte es also in Misskredit: Die Grenzen zwischen Kunst und Wirklichkeit, Leben und Tod schienen sich aufzulösen. Dabei hatte Wachs über Jahrhunderte eine bedeutende Rolle in der abendländischen Kultur gespielt – die Geschichte seiner Verwendung reicht vom antiken Totenkult über das christliche Votivwesen und die Sepulkralkultur des Mittelalters bis zur anatomischen Plastik. Aus der Hochkunst wurde es freilich spätestens im Klassizismus des 18. Jahrhunderts ausgeschlossen und ins Panoptikum verbannt. Erst mit Degas, später dann mit Joseph Beuys, Paul Thek, Bruce Nauman, Robert Gober oder Kiki Smith setzte die künstlerische Renaissance des Materials ein.

In unserer Reihe beschäftigen wir uns mit der Geschichte und Bedeutung der künstlerischen Materialien. Zu den überlieferten Werkstoffen Stein, Bronze oder Holz traten vor allem in der Moderne zahllose neue hinzu. Vom Gips über die Industrie- und Alltagsmaterialien bis hin zum menschlichen Körper: Alles konnte schließlich zum Material der Kunst werden.

Das Seminar findet im Veranstaltungsraum statt.

Lektüretipp:
Lexikon des künstlerischen Materials. Werkstoffe der modernen Kunst von Abfall bis Zinn, hg. von Monika Wagner u. a., Verlag C.H. Beck 2010, 15,95 Euro

LEITUNG Dr. Alice Gudera, Florian Britsch, M. A.
TERMIN Mittwoch, 30. Oktober 2019, 11 bis 15 Uhr
KOSTENBEITRAG 29 Euro, Zuzahlung für Nichtmitglieder 5 Euro (zzgl. Eintritt)
Anmeldung erforderlich

Dr.  Alice  Gudera
Dr. Alice Gudera
Studium der Kunstgeschichte und Anglistik in Bochum und Berlin, Promotion über ein Hauptwerk der mittelalterlichen Goldschmiedekunst. Mitarbeit an Ausstellungen, Publikationen über mittelalterliche Kunst sowie Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts. Freie Mitarbeiterin der Kunsthalle Bremen und der Freunde der Kunsthalle (www.alicegudera.de).
 Florian Britsch, M. A.
Florian Britsch, M. A.
Studium der Kunstgeschichte, Germanistik und Geschichte in Hamburg. Fachgebiete: Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts. Als Mitarbeiter der Freunde der Kunsthalle zuständig für das Veranstaltungsprogramm. Veröffentlichungen zur Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts; Lehrauftrag an der Hochschule für Musik und Theater / Theaterakademie Hamburg.