AUSSICHTEN

Julius von Ehren, Säulensaal im Altbau der Hamburger Kunsthalle, 1928, Öl auf Leinwand, 89,7 x 104 cm, © Hamburger Kunsthalle / bpk, Foto: Elke Walford

Tiefrote Wände, ockerfarbene Pilaster und Säulen in Stuckmarmor, ringsum sowie im Raum verteilt Gipsabgüsse antiker Reliefs und Skulpturen, und im Zentrum des Gemäldes, im hellen Gegenlicht des Durchblicks, das frühlingshafte Grün der Vegetation: In spätimpressionistischer Manier malte Julius von Ehren (1864–1944) im Jahr 1928 den zentralen Säulensaal im Altbau der Hamburger Kunsthalle, heute bekannt als Café Liebermann.

Den Auftrag hatte der Maler, Gründungsmitglied des Hamburgischen Künstlerclubs von 1897, vermutlich von der Senatskommission für Kunstpflege erhalten. Schon seit der Ära des ersten Direktors Alfred Lichtwark war von Ehren mit seinen Werken in der Kunsthalle vertreten. Dass er nun, unter dem Direktorat von Gustav Pauli, erneut mit einem Gemälde beauftragt wurde, ist vor allem der besonderen Bedeutung des Sujets geschuldet. Der Säulensaal, der sich in seiner architektonischen Gestaltung an der klassizistischen Skulpturenhalle des Alten Museums in Berlin von Karl Friedrich Schinkel orientiert, war von Anfang an – wie das gesamte Erdgeschoss des Museums – zur Aufstellung der »plastischen Werke« bestimmt; 1872 wurden hier die Abgüsse des antiken Parthenonfrieses in verkürzter Abfolge fest installiert.

Während sich jedoch Lichtwark nach 1890 von den Gipsabgüssen nach Antikenvorbildern abwandte, rückte Pauli sie erneut ins Zentrum der Sammlungspräsentation. Ab November 1924 und mit Modifikationen bis zur Schließung des Museums am 27. August 1939 wurde im Säulensaal und in vier weiteren Räumen im Erdgeschoss der Bestand von Abgüssen nach antiken, nun vorrangig griechischen Bildwerken gezeigt – und diese Präsentation ist es, die das Gemälde von Ehrens dokumentiert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg blieben die Gipsabgüsse im Depot und gingen Anfang der 1980er-Jahre in den Besitz der Universität Hamburg über. Von dort kehrt ab Ende April 2026 eine Auswahl als Leihgabe ins Museum zurück und bildet hier den Auftakt der Ausstellung Skulptural. Die neuen Galerien, mit der die Hamburger Kunsthalle erstmals umfassend ihre Skulpturensammlung präsentiert. FB

Julius von Ehren, Säulensaal im Altbau der Hamburger Kunsthalle, 1928, Öl auf Leinwand, 89,7 x 104 cm, © Hamburger Kunsthalle / bpk, Foto: Elke Walford

Tiefrote Wände, ockerfarbene Pilaster und Säulen in Stuckmarmor, ringsum sowie im Raum verteilt Gipsabgüsse antiker Reliefs und Skulpturen, und im Zentrum des Gemäldes, im hellen Gegenlicht des Durchblicks, das frühlingshafte Grün der Vegetation: In spätimpressionistischer Manier malte Julius von Ehren (1864–1944) im Jahr 1928 den zentralen Säulensaal im Altbau der Hamburger Kunsthalle, heute bekannt als Café Liebermann.

Den Auftrag hatte der Maler, Gründungsmitglied des Hamburgischen Künstlerclubs von 1897, vermutlich von der Senatskommission für Kunstpflege erhalten. Schon seit der Ära des ersten Direktors Alfred Lichtwark war von Ehren mit seinen Werken in der Kunsthalle vertreten. Dass er nun, unter dem Direktorat von Gustav Pauli, erneut mit einem Gemälde beauftragt wurde, ist vor allem der besonderen Bedeutung des Sujets geschuldet. Der Säulensaal, der sich in seiner architektonischen Gestaltung an der klassizistischen Skulpturenhalle des Alten Museums in Berlin von Karl Friedrich Schinkel orientiert, war von Anfang an – wie das gesamte Erdgeschoss des Museums – zur Aufstellung der »plastischen Werke« bestimmt; 1872 wurden hier die Abgüsse des antiken Parthenonfrieses in verkürzter Abfolge fest installiert.

Während sich jedoch Lichtwark nach 1890 von den Gipsabgüssen nach Antikenvorbildern abwandte, rückte Pauli sie erneut ins Zentrum der Sammlungspräsentation. Ab November 1924 und mit Modifikationen bis zur Schließung des Museums am 27. August 1939 wurde im Säulensaal und in vier weiteren Räumen im Erdgeschoss der Bestand von Abgüssen nach antiken, nun vorrangig griechischen Bildwerken gezeigt – und diese Präsentation ist es, die das Gemälde von Ehrens dokumentiert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg blieben die Gipsabgüsse im Depot und gingen Anfang der 1980er-Jahre in den Besitz der Universität Hamburg über. Von dort kehrt ab Ende April 2026 eine Auswahl als Leihgabe ins Museum zurück und bildet hier den Auftakt der Ausstellung Skulptural. Die neuen Galerien, mit der die Hamburger Kunsthalle erstmals umfassend ihre Skulpturensammlung präsentiert. FB