AUSSICHTEN #4

Max Pechstein, Junge mit Spielzeug, 1916, Öl auf Leinwand, 80 x 70 cm, Dauerleihgabe der Stiftung Hamburger Kunstsammlungen, © SHK / Hamburger Kunsthalle / ARTOTHEK, Foto: Christoph Irrgang
Mit einem einführenden Text von Ina Hildburg-Schneider

Das Gemälde Junge mit Spielzeug entstand vermutlich im Dezember 1916, als der expressionistische Künstler Hermann Max Pechstein während eines Fronturlaubs über Weihnachten zu seiner Frau Lotte und seinem dreijährigen Sohn Frank nach Berlin zurückkehren konnte.

Dargestellt ist ein kleiner Junge im Schneidersitz. Er trägt eine marineblaue Knickerbockerhose, Wollstrümpfe und sorgfältig polierte Schuhe. Sein Pullover ist in dunklem Blaugrün gehalten, die Bündchen heben sich heller davon ab. Die düstere Farbigkeit seiner Kleidung scheint sich in seinem leeren, nachdenklichen Blick fortzusetzen. Die Arme hat er vor dem Körper verschränkt.

Um ihn herum setzt das farbenfrohe Kinderspielzeug lebendige Akzente: Zu seiner Linken stehen eine Kirche und sechs kleine Häuser wie an einer Kette aufgereiht, vor ihm werfen drei Bäume, eine Kuh und ein weiteres Tier markante Schatten. Fast könnte man meinen, der kleine Junge habe sich trotzig in seiner eigenen, kindlichen Gegenwelt verbarrikadiert. Auch seine geröteten Wangen wirken wie ein bewusster Kontrast zur Mangelernährung, die in den Kriegsjahren vielerorts den Alltag bestimmte.

Nur kurze Zeit zuvor hatte Max Pechstein als Kartograf an der heftig umkämpften Somme gedient und dort das Elend der Schlacht unmittelbar miterlebt. Umso mehr entsteht der Eindruck, dass er in diesem Porträt seines Sohnes die Schrecken des Krieges demonstrativ von seinem privaten Glück fernhalten wollte. Pechstein schreibt Weihnachten 1916: »Dann habe ich auch einmal den Pinsel wieder zur Hand genommen, und stand wie ein verlaufenes Kind im Walde, in der Tätigkeit. Man muß doch erst wieder anfangen zu denken und allmähli[ch] sich mühen […].«

Das Gemälde scheint dem Künstler so sehr gefallen zu haben, dass er es auch im Holzschnitt umsetzte – ergänzt durch einen Weihnachtsbaum, einen runden Teppich und ein Porträt von sich und seiner Frau Lotte – und als Weihnachtskarte verschickte. Im selben Jahr sowie in den Folgejahren entstanden weitere Porträts seines Sohnes, in die er auch die Erinnerung an seine Südseereise einfließen ließ.

Junge mit Spielzeug  ist Bestandteil der neuen Sammlungspräsentation der Kunst der Moderne, die ab September 2026 in der Hamburger Kunsthalle zu sehen ist. IHS

Max Pechstein, Junge mit Spielzeug, 1916, Öl auf Leinwand, 80 x 70 cm, Dauerleihgabe der Stiftung Hamburger Kunstsammlungen, © SHK / Hamburger Kunsthalle / ARTOTHEK, Foto: Christoph Irrgang
Mit einem einführenden Text von Ina Hildburg-Schneider

Das Gemälde Junge mit Spielzeug entstand vermutlich im Dezember 1916, als der expressionistische Künstler Hermann Max Pechstein während eines Fronturlaubs über Weihnachten zu seiner Frau Lotte und seinem dreijährigen Sohn Frank nach Berlin zurückkehren konnte.

Dargestellt ist ein kleiner Junge im Schneidersitz. Er trägt eine marineblaue Knickerbockerhose, Wollstrümpfe und sorgfältig polierte Schuhe. Sein Pullover ist in dunklem Blaugrün gehalten, die Bündchen heben sich heller davon ab. Die düstere Farbigkeit seiner Kleidung scheint sich in seinem leeren, nachdenklichen Blick fortzusetzen. Die Arme hat er vor dem Körper verschränkt.

Um ihn herum setzt das farbenfrohe Kinderspielzeug lebendige Akzente: Zu seiner Linken stehen eine Kirche und sechs kleine Häuser wie an einer Kette aufgereiht, vor ihm werfen drei Bäume, eine Kuh und ein weiteres Tier markante Schatten. Fast könnte man meinen, der kleine Junge habe sich trotzig in seiner eigenen, kindlichen Gegenwelt verbarrikadiert. Auch seine geröteten Wangen wirken wie ein bewusster Kontrast zur Mangelernährung, die in den Kriegsjahren vielerorts den Alltag bestimmte.

Nur kurze Zeit zuvor hatte Max Pechstein als Kartograf an der heftig umkämpften Somme gedient und dort das Elend der Schlacht unmittelbar miterlebt. Umso mehr entsteht der Eindruck, dass er in diesem Porträt seines Sohnes die Schrecken des Krieges demonstrativ von seinem privaten Glück fernhalten wollte. Pechstein schreibt Weihnachten 1916: »Dann habe ich auch einmal den Pinsel wieder zur Hand genommen, und stand wie ein verlaufenes Kind im Walde, in der Tätigkeit. Man muß doch erst wieder anfangen zu denken und allmähli[ch] sich mühen […].«

Das Gemälde scheint dem Künstler so sehr gefallen zu haben, dass er es auch im Holzschnitt umsetzte – ergänzt durch einen Weihnachtsbaum, einen runden Teppich und ein Porträt von sich und seiner Frau Lotte – und als Weihnachtskarte verschickte. Im selben Jahr sowie in den Folgejahren entstanden weitere Porträts seines Sohnes, in die er auch die Erinnerung an seine Südseereise einfließen ließ.

Junge mit Spielzeug  ist Bestandteil der neuen Sammlungspräsentation der Kunst der Moderne, die ab September 2026 in der Hamburger Kunsthalle zu sehen ist. IHS