AUSSICHTEN

Es könnte der Inbegriff sommerlicher Entspannung sein: ein Swimmingpool, die Wasseroberfläche sanft gekräuselt, im wohligen Nass treibende Körper. Maria Lassnigs aquarellierte Radierung Swimmingpool, entworfen zwischen 1977 und 1986, zeigt allerdings bei genauerem Hinsehen eher das Gegenteil: Die vier Figuren auf ihrem Bild scheinen in unterschiedlichen Phasen und Modi der Verwandlung begriffen.
So verharrt die Gestalt oben links, die wie flach auf dem Wasser aufliegt, gleichsam noch im Stadium der Zweidimensionalität, während sich die Kreatur rechts daneben bereits zu einem knotigen Körpergebilde auseinanderfaltet. Das kompakte biomorphe Wesen darunter hat sich auf seinen überdimensionierten Füßen gar aus dem Pool erhoben und scheint über die Wellen zu wandeln. Den Abschluss bildet – im Uhrzeigersinn gelesen – die Figur unten links, die bereits wieder im Wasser versinkt und dabei wie hilfesuchend einen Arm in die Höhe gereckt hat.
Nichts ist diesem Reigen seltsam deformierter Geschöpfe fremder als die lässige Gegenwart der kalifornischen Swimmingpool-Bilder David Hockneys. Für Maria Lassnig ist Wasser vielmehr ein Medium des Gestaltwandels bzw. der Metamorphose; die Körper scheinen zu regredieren, am evolutionären Kreislauf des Werdens und Vergehens teilzuhaben und dabei ihr Inneres preiszugeben. Was bleibt, sind – in den Worten der Künstlerin – »Leibballen, von der Linienhaut zusammengehalten«.
Die Radierung Swimmingpool ist Bestandteil einer Mappe mit 7 Kupferstichen, die 1987 ediert und vom Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle im selben Jahr erworben wurde. Maria Lassnigs faszinierende Körpergefühlsbilder oder Body Awareness Paintings sind noch bis Ende August 2026 in der großen Doppelausstellung Maria Lassnig und Edvard Munch. Malfluss = Lebensfluss in der Galerie der Gegenwart zu entdecken. FB

Es könnte der Inbegriff sommerlicher Entspannung sein: ein Swimmingpool, die Wasseroberfläche sanft gekräuselt, im wohligen Nass treibende Körper. Maria Lassnigs aquarellierte Radierung Swimmingpool, entworfen zwischen 1977 und 1986, zeigt allerdings bei genauerem Hinsehen eher das Gegenteil: Die vier Figuren auf ihrem Bild scheinen in unterschiedlichen Phasen und Modi der Verwandlung begriffen.
So verharrt die Gestalt oben links, die wie flach auf dem Wasser aufliegt, gleichsam noch im Stadium der Zweidimensionalität, während sich die Kreatur rechts daneben bereits zu einem knotigen Körpergebilde auseinanderfaltet. Das kompakte biomorphe Wesen darunter hat sich auf seinen überdimensionierten Füßen gar aus dem Pool erhoben und scheint über die Wellen zu wandeln. Den Abschluss bildet – im Uhrzeigersinn gelesen – die Figur unten links, die bereits wieder im Wasser versinkt und dabei wie hilfesuchend einen Arm in die Höhe gereckt hat.
Nichts ist diesem Reigen seltsam deformierter Geschöpfe fremder als die lässige Gegenwart der kalifornischen Swimmingpool-Bilder David Hockneys. Für Maria Lassnig ist Wasser vielmehr ein Medium des Gestaltwandels bzw. der Metamorphose; die Körper scheinen zu regredieren, am evolutionären Kreislauf des Werdens und Vergehens teilzuhaben und dabei ihr Inneres preiszugeben. Was bleibt, sind – in den Worten der Künstlerin – »Leibballen, von der Linienhaut zusammengehalten«.
Die Radierung Swimmingpool ist Bestandteil einer Mappe mit 7 Kupferstichen, die 1987 ediert und vom Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle im selben Jahr erworben wurde. Maria Lassnigs faszinierende Körpergefühlsbilder oder Body Awareness Paintings sind noch bis Ende August 2026 in der großen Doppelausstellung Maria Lassnig und Edvard Munch. Malfluss = Lebensfluss in der Galerie der Gegenwart zu entdecken. FB